Vergangene Wirklichkeiten

Digitalisierte Postkarten: 1914 - 1918

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In Deckung


Historische Militär-Postkarte „In Deckung“ (1917) mit Eichenlaub-Rahmen und bayerischer Überdruckmarke.

Bis zum Anfang der Ersten Weltkriegs stellte man sich allgemein zukünftige Schlachtfelder derartig vor. Obwohl zumindest der intelligentere Teil der Offiziere erkannt hatte, dass diese Art der Gefechtsführung im Zeitalter der Maschinengewehre der reine Wahnsinn war, wurden noch etwa 3 Wochen nach dem Beginn der Ersten Flandernschlacht im November 1914 tausende junge deutsche Männer bei Langemark mit genau solchen Taktiken sinnlos verheizt, indem sie auf offenem Feld gegen gut ausgebaute und modern bewaffnete alliierte Stellungen anstürmen mussten.
Um diese Fehleinschätzung zu vertuschen, wurde Langemark und Ypern von der Propaganda kurzerhand zum Heldenmythos umgedeutet und sogar Straßennamen nach den Schlachtfeldern umbenannt. Insbesondere in Dörfern, in denen ganze Jahrgänge ausgelöscht wurden.

Das Eichenlaub-Rahmenmotiv mit Schwarz-Weiß-Rot ist typisch für die patriotischen Feldpost- oder Militärkarten der Vorkriegszeit. Das Militär nahm im Kaiserreich einen ungewöhnlich hohen Rang ein, was allerdings kein Wunder ist, wurde dieses Reich doch mit Waffengewalt gegründet. In anderen Ländern sprach man vom deutschen Militarismus, jedoch hatte das Militär in allen Ländern einen unangemessen hohen gesellschaftlichen Rang, mit dem auch kokettiert wurde.
So gab es in Großstädten Bühnenshows von uniformierten Tänzerinnen mit so „kurzen“ Röcken, dass sie sich knapp am Rande der gesellschaftlich erlaubten Erotik dieser oberflächlich prüden Zeit bewegten.

Postkarte

TITEL: In Deckung
FOTOGRAF: E.H. & Co. i. B.
ORT: Deutsches Reich, Bayern
DATIERUNG: 24.9.1917
TECHNIK: Wohl kolorierter Rastertiefdruck oder Autotypie-Rasterdruck.
Militär-Fotopostkarte
ZUSTAND:
Altersbedingt guter Zustand.
Rückseite:
Rückseite: Gestempelt 1917, unbeschrieben und ohne Postlaufspuren

Historischer Hintergrund

Bei dieser auf die Vorderseite geklebten speziellen Marke handelt es sich um eine Ausgabe aus der „Abschiedsserie“ Bayerns von 1920 (auch bekannt als die sogenannten Bayern-Überdrucke der Inflationszeit).
Die Geschichte hinter dieser „seltsamen“ Optik:
Der Ursprung: Das Porträt zeigt den alten Prinzregenten Luitpold, der ursprünglich in den Jahren vor und während des Ersten Weltkriegs auf den regulären bayerischen Freimarken zu sehen war (ursprünglich als 2-Mark-Wert im Steindruck gedruckt).
Der Überdruck: Nach dem Ersten Weltkrieg und der Gründung der Weimarer Republik gingen die eigenständigen Postverwaltungen der Länder (wie Bayern und Württemberg) in der Deutschen Reichspost auf. Um die alten, noch im Umlauf befindlichen bayerischen Marken in ganz Deutschland weiterverwenden zu können, wurde in den Jahren 1920/1921 kurzerhand ein neuer Wert aufgedruckt – in diesem Fall ein dicker, handsatzähnlicher Wertstempel $2\frac{1}{2}$ Mark.
Deshalb wirkt die Marke so ein bisschen wie ein Provisorium: Unten blickt noch der alte Prinzregent aus der Kaiserzeit hervor, während oben die neue Inflations-Portoaufwertung drübergestempelt wurde.

Historische Expertise: KI Gemini

Digitalisierung: Peter Engelhardt

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