Digitalisierte Postkarten: 1914 - 1918
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Propagandapostkarte: Russische Kultur
Bei jedem Krieg wird der Gegner von allen beteiligten Parteien entweder lächerlich gemacht oder aber dämonisiert. Thema dieser Propagandapostkarte von 1916 war die lebensbedrohliche Läuseplage bei den Frontsoldaten, für die man hier der „Russischen Kultur“ die Schuld gab. Es wurden große Anstrengungen unternommen, um das Ungeziefer einzudämmen; regelmäßig fanden Entlausungen bei den Truppen statt, denn vor allem Typhusepidemien, aber auch andere von Parasiten übertragene ansteckende Krankheiten forderten an der Ost- wie an der Westfront auf beiden Seiten viele Opfer.
Seit der Antike fielen Epidemien bei Kriegen und Feldzügen sehr oft mehr Soldaten zum Opfer als die Kampfhandlungen selbst. Neben Läusen waren vor allem Ratten und mit ihnen ihre Flöhe in den Schützengräben ein enormes Problem. Dementsprechend hoch war auch die Gefahr für die Zivilbevölkerung.
Allerdings wäre wohl keine Propagandaabteilung auf die Idee gekommen, eine französische Familie derart darzustellen. Das Stereotyp Russlands als eines rückständigen und primitiven Landes prägt das mitteleuropäische Bild bis heute und hat eine jahrhundertelange Tradition.
Beschriftung
oben:
Hier laust sich der Vater, hier laust sich das Kind,
Hier laust sich der Herr, hier laust sich's Gesind',
Ich als Quartiergast sitz' in der Mitt',
Erst schau' ich zu, dann laus' ich mit.
unten:
Russische Kultur
Postkarte
TITEL: Propagandapostkarte: Russische KulturFOTOGRAF: Dahe Verlag, Dresden
ORT: Deutsches Reich
DATIERUNG: 27. Juli 1916
TECHNIK: Wohl Rastertiefdruck oder Autotypie-Rasterdruck.
Humoristische Militär-Postkarte, gelaufen
ZUSTAND:
Altersbedingt sehr guter Zustand.
Rückseite:
Beschriftet und gestempelt, minimale Versandspuren
Historischer Hintergrund
Die auf der Postkarte angesprochenen Läuse waren nicht nur lästig, sondern übertrugen das Fleckfieber (auch Flecktyphus genannt, ausgelöst durch Rickettsien).
Ausmaße an der Ostfront: Allein an der Ostfront (und in den angrenzenden Regionen wie Serbien, Galizien und Rumänien) erkrankten während des Ersten Weltkriegs zwischen 2 und 3 Millionen Menschen (Soldaten und Zivilisten) an Fleckfieber.
Todesraten: Die Sterblichkeitsrate lag ohne wirksame Medikamente (Antibiotika gab es damals noch nicht) meist zwischen 10% und 30%. Allein in Serbien brach 1914/1915 eine katastrophale Fleckfieberepidemie aus, die innerhalb weniger Monate schätzungsweise über 150.000 bis 300.000 Menschen (darunter zehntausende Kriegsgefangene) das Leben kostete.
Westfront vs. Ostfront: Während an der Westfront durch relativ stationäre Frontverhältnisse und frühe hygienische Gegenmaßnahmen die Seuchenzüge besser kontrolliert werden konnten, explodierten die Infektionszahlen im Osten aufgrund der instabileren Verhältnisse und der dort schlechter ausgebauten Infrastruktur förmlich.
Zahlen zu Entlausungen und technischer Aufwand
Um die Armeen vor dem Zusammenbruch zu bewahren, wurden gigantische hygienische Apparaturen aufgebaut:
Entlausungsanstalten: Sowohl das Deutsche Reich als auch Österreich-Ungarn und Russland richteten kilometerweit hinter der Front spezielle Heißluft- und Dampf-Entlausungsanstalten (oft als mobile Bade- und Desinfektionszüge auf Schienen) ein.
Frequenz: Soldaten wurden im Frontwechsel oder bei der Truppenbetreuung alle paar Wochen zwangsweise durchgeschleust: Kleidung wurde in Dampfkammern ausgeheizt (um die Eier und Läuse abzutöten), während die Soldaten rasiert, geduscht und mit Desinfektionsmitteln (wie Kresol-Lösungen) behandelt wurden.
Zahlenbeispiel: Allein bei der österreichisch-ungarischen Armee erkrankten zwischen 1914 und 1917 offiziell über 418.000 Soldaten an Typhus und Hunderttausende an Ruhr, was den permanenten Druck auf die Sanitätseinheiten erklärt, rigoros zu entlausen.
Historische Expertise: KI Gemini

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