Digitalisierte Graphiken
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Neueste Wunderbilder aus dem Völkerkrieg 1914

Dieses seltsame kleine Heftchen war vermutlich einst als Inhalt in einer Wundertüte. Betrachten konnte man es wohl mittels einer einfachen Vorrichtung mit Farbfiltern, welche sich die Kinder vor die Augen hielten. Jedes der Bildchen besteht aus eigentlich zwei ineinander liegenden Zeichnungen, erst der Filter löste die beiden Zeichnungen in Einzelbilder auf. Diese sind eher im Comic-Stil gehalten und ziemlich schlampig ausgeführt.
Interessant ist bei diesem Objekt aber nicht die Technik, sondern die erschütternd naive Vorstellung vom modernen Krieg. Ähnliche Zeichnungen, etwas sorgfältiger illustriert, bevölkerten zu Tausenden die damals populären Bücher über die Schlachten des Krieges 1870/71. Man glaubte auch 1914, die Soldaten an Weihnachten wieder zu Hause begrüßen zu können und fast ist man versucht anzunehmen, dass die Zeichnungen nur deshalb so schnell und schludrig hingeworfen wurden, weil man sie noch vor Kriegsende in Druck geben und verkaufen wollte.
Druck und Verlag: Ohne Angaben | Privatbesitz
Historische Einordnung
Bei diesem Objekt handelt es sich um ein zeitgenössisches Erzeugnis der Kriegsspielzeug-Industrie, die bereits in den ersten Monaten des Ersten Weltkriegs massiv auf die patriotische Euphorie der Bevölkerung setzte.
- Optische Technik: Die Bilder basieren auf einem einfachen anaglyphen Verfahren. Durch die Verwendung zweier farblich überlagerter Zeichnungen konnte mit einem beiliegenden farbigen Filter jeweils nur eines der beiden Motive isoliert betrachtet werden.
- Historischer Kontext: Die thematische Auswahl – die Schlachten bei Mülhausen, Lagarde, Longwy – lässt sich präzise auf den August 1914 datieren. Die hastige Ausführung der Illustrationen deutet darauf hin, dass das Heftchen unter erheblichem Zeitdruck produziert wurde, um den Bedarf an „Kriegslektüre“ noch in der ersten Phase des Krieges zu decken.
- Propagandistische Wirkung: Das Heftchen versuchte, den technisierten, verheerenden modernen Krieg in das vertraute, heldenhafte Schema des 19. Jahrhunderts zu pressen. Es vermittelte ein Bild vom Krieg als schnelles, geordnetes Abenteuer – eine „Naivität“, die bewusst genutzt wurde, um die Realität des industriellen Massensterbens vor den Augen der „Heimatfront“ und der Jugend zu kaschieren.
Quelle: gemini (google AI)
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Dokument in höherer AuflösungLizenz: CC BY-NC-SA 4.0
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