Kabinett der vergangenen Wirklichkeiten

Digitalisierte Postkarten: 1914 - 1918

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Feldpostkarte mit partiellem Liedtext: „O Deutschland“


Studioaufnahme einer heroisierender Gruppe als Soldaten verkleideter Männer.

Die Beschriftung dieser patriotischen Atelierszene klingt sehr nach Durchhalteparole, auch wenn die Karte schon ca. 9 Monate nach Kriegsbeginn gelaufen ist:

O Deutschland
Es sind die alten
Schwerter noch, es ist
das deutsche Herz,
Man zwingt sie
nimmermehr in's
Joch
Sie dauern aus
wie Erz!
Haltet aus,
Haltet aus!

Gut möglich, dass manche oder alle Statisten bald nach dieser Aufnahme in echte Uniformen gesteckt wurden. Ein violetter Truppenstempel auf der Rückseite der nach Biberach versendeten Karte verrät jedenfalls die genaue Einheit des Absenders:
Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm König von Preußen (2. Württembergisches) Nr. 120 (abgekürzt: Inf. Rgt. K. W. Pr. 2. W. Nr. 120). Dieses Regiment war stark in Württemberg verwurzelt, mit Garnisonen u. a. in Ulm und Ravensburg.

Postkarte

TITEL: Feldpostkarte mit partiellem Liedtext: „O Deutschland“
FOTOGRAF: R & K, L 8269/4
ORT: Deutsches Reich
DATIERUNG: 22. Mai. 1915
TECHNIK: Lichtdruck (Collotypie)
ZUSTAND:
Altersgemäß befriedigender bis guter Zustand mit leichten Flecken, gelaufen

Historischer Hintergrund

Bei dem zitierten Text handelt es sich um einen Ausschnitt (genauer gesagt um die zweite Strophe sowie den Refrain) aus dem bekannten patriotischen Lied „O Deutschland, hoch in Ehren“.
Hier sind die wichtigsten historischen und kulturellen Hintergründe dazu:
Entstehung: Der Text wurde im Jahr 1859 von dem Lehrer und Publizisten Ludwig Bauer (1832–1910) verfasst. Die Melodie dazu komponierte der englische Komponist Henry Hugo Pierson (ursprünglich als Chor- und Volkslied mit dem Titel „Beharrlich!“).
Historischer Kontext: Hintergrund des Entstehungsjahres 1859 war der Sardinische Krieg (Krieg zwischen Frankreich/Sardinien und Österreich). In Deutschland herrschte damals vielfach die Furcht vor einem französischen Einfall und einer Bedrohung der nationalen Sicherheit, weshalb das Lied ursprünglich als Aufruf zum Zusammenhalt und zur Wehrhaftigkeit („Haltet aus im Sturmgebraus“) gedacht war.
Rezeption im Kaiserreich und darüber hinaus: Im späten 19. Jahrhundert sowie während des Ersten Weltkriegs erfreute sich das Lied im wilhelminischen Kaiserreich enormer Beliebtheit. Es war fester Bestandteil des Liedguts von Männergesangsvereinen, Soldaten und Schulen (auch in der Weimarer Republik). Im Nationalsozialismus wurde es ebenfalls im Zuge der nationalen Propaganda vereinnahmt.

Historische Expertise: KI Gemini

Digitalisierung: Peter Engelhardt

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