Kabinett der vergangenen Wirklichkeiten

Digitalisierte Postkarten: 1914 - 1918

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Der barmherzige Samariter


Ein deutscher Ulan gibt einem am Boden liegenden französischen Verwundeten zu trinken.

Solche Postkarten erfüllten eine doppelte Funktion. Sie dienten den Soldaten an der Front als friedliches, humanes Lebenszeichen für die Heimat und sollten gleichzeitig (nach innen wie nach außen) das moralische Selbstbild einer kultivierten, barmherzigen Nation unterstreichen.

Gestempelt: K. PR. FELD-ARTILLERIE-REGIMENT Nr. 2 (Königlich Preußisches Feldartillerie-Regiment Nr. 2).
Darunter steht im Stempel noch der Hinweis auf die 1.Munitionskolonne

Postkarte

TITEL: Der barmherzige Samariter
FOTOGRAF: P. Grenier, Wenau, W & N
ORT: Deutsches Reich
DATIERUNG: 24. September 1917
TECHNIK: Farblithographie (Chromolithographie)
ZUSTAND:
Altersgemäß befriedigender bis guter Zustand mit bestossene Ecke, gelaufen

Historischer Hintergrund

Solche Bildmotive waren ein zentraler und gezielter Bestandteil der deutschen Gegenpropaganda im Ersten Weltkrieg.

Vor allem zu Beginn des Krieges (nach dem Einmarsch deutscher Truppen in das neutrale Belgien 1914) warfen die Alliierten – insbesondere die Briten und Franzosen – der deutschen Seite massenhaft schwerste Gräueltaten vor (die sogenannte „Rape of Belgium“-Propaganda). Es wurde das Zerrbild des „barbarischen Hunnen“ gezeichnet, der mordet, plündert und selbst vor Verwundeten, Zivilisten oder Gefangenen keinen Halt macht.

Um dieses Image zu entkräften, setzte die deutsche Postkartenindustrie und Kriegspropaganda gezielt auf Motive wie diesen „barmherzigen Samariter“. Sie sollten dem Vorbild der „deutschen Barbarei“ das Bild des edlen, ritterlichen und menschlichen deutschen Soldaten entgegensetzen, der selbst den verfeindeten französischen Soldaten (erkennbar an der roten Hose) auf dem Schlachtfeld pflegt, ihm zu trinken gibt oder ihm aufhilft.

Verlage druckten solche Motive aus freiem Willen, getrieben von patriotischem Eifer und purer Marktwirtschaft. Die Nachfrage nach Kartenmotiven mit Heldenporträts, Durchhalteparolen und ritterliche Szenen war gigantisch, sie trafen exakt den Nerv der Bevölkerung und der Soldaten. Gleichzeitig bewegten sie sich in einem Rahmen, den die Militärzensur vorgab: Alles, was den offiziellen Durchhalte- und Heldenwillen unterstützte, war hochwillkommen und wurde gefördert, kritische oder defätistische Töne wurden nicht genehmigt. Widrigenfalls wurde die gesamte Auflage beschlagnahmt.

Historische Expertise: KI Gemini

Digitalisierung: Peter Engelhardt

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