Ochsenhausen, wia's ischt ond war

Kleines Schwäbisches Wörterbuch: L
Schwäbisch von "Lacha" bis "Lupfa"


L

Lacha Jauche, Pfütze
Lacha bezeichnet, je nach Kontext, entweder eine Pfütze, oder Jauche (Gülle).
Jauche: "D Baura dond heit Lacha fiehra.".
die Pfütze ⇔ dia Lacha
die Pfützen ⇔ dia Lacha
diese Pfützen ⇔ denne Lacha)

lack schal, abgestanden, fades Getränk
(Beschwerde beim Wirt: "Descht a lacks Bier!" ⇔ "Das ist ein schales Bier!". Drastischer ist Zurückweisung: "Dia lacka Briah kasch selbr saufa!" ⇔ "Diese schale Brühe kannst du selber trinken!" - ein Streit um die Bezahlung des Getränks ist dann nicht ausgeschlossen, ja manchmal, wenn der Wirt "kähl", und zwar nicht im Sinne von "cool" ist, sogar angebracht. Das Wort "saufa" wird übrigens im derben Schwaben sehr oft anstelle von "drenka" für "trinken", was ja schon fast Hochdeutsch ist, verwendet.)

Ladudr Laterne

Lädscha Gesicht (unfreundlich), Fresse
("Wa ziahscht du heit fiar a Lädscha na?" ⇔ "Was ziehst du heute für ein (mieses) Gesicht hin?" oder "Wenn e vom salla scho bloß d Lädscha sieh..." ⇔ "Wenn ich von dem bloß schon die Fresse sehe...")

lädschig lasch, zu weich (bei Kuchen und Backwaren auch: zu feucht, nicht kross)

Laibrling Zecke
(evt. Herkunft von "Leib - Leiberling")

Lalle Kindische (männliche) Person
(wird auch auf Tiere, hauptsächlich verspielte Hunde, angewandt - hier aber bei beiden Geschlechtern)

Lauba Laubach, ein Dorf östllich von Ochsenhausen, gewöhnlich wird zwecks Präzisierung verwendet: "Z Lauba dieba." oder "No Lauba nom."

Laupa (kurz gespr. "a") Laupheim, eine Stadt nördlich von Ochsenhausen, gewöhnlich wird zwecks Präzisierung verwendet: "Z Laupa donda." oder "No Laupa na."

laufa gehen

leis oder lais nicht geschmackvoll, fade gewürztes Essen
("Gei mr amol s Maggi, dia Subba isch leis!" ⇔ "Gib mir mal die Maggiwürze, die Suppe ist fade!")

loina lehnen
(loined lehnt)

Loisa (Sing.: Lois) Rinnen
Spuren von Gefährten oder gezogenen Gegenständen, bspw. im Schnee oder Schlamm etc.
("Luag amol do na, wa du fiar Loisa ens frisch grachede Kies gfahra hosch!" ⇔ "Sieh mal da hin, was du für Rinnen ins frisch geharkte Kies gefahren hast!")

losa hören
Entsprechend:
("Los amol her." ⇔ "Hör mal zu.")
("Los na." ⇔ "Höre hin.")
("Du sollescht zualosa!" ⇔ "Du sollst zuhören!")
("Kasch it losa?" ⇔ "Kannst du nicht hören?")
("I hau it glosed." ⇔ "Ich habe nicht zugehört")
u.s.w.

lottrig, lottra lose, ohne feste Verbindung, klapprig
("Lottriga Schraub" ⇔ "Nicht angezogene Schraube")

luaga sehen, schauen
("Luag na!" ⇔ "Schau hin!")

Ludrische geräucherte Würstchen Balzheimer Art
(von "Lutherische", da diese Würstchen in der Metzgerei des früher ausschließlich evangelischen Dorfes Balzheim/Iller zuerst hergestellt wurden. Dort nennt man die Würste stolz: "Balzheimer". Seit 2016 gibt es leider keine originale "Balzheimer" mehr, da die Metzgerei im Jahr 2016 - wie so viele ländliche Metzgereien in den letzten Jahrzehnten - dem veränderten Kaufverhalten der Kunden zum Opfer fiel.)

Luagabeitl (Lugabeidl) Lügenbeutel

lupfa (an)heben
("Lupf da Debich, do flaggets donda!" ⇔ "Hebe die Decke, da liegt es drunter!" - Als "Lupfer" in die deutsche Begriffswelt des Fußballs eingegangen.)

Lupfa Simples, aber verbotenes Kartenspiel
(mit schnell und sehr hoch steigenden Einsätzen für drei oder vier Spieler. Hierbei wird eine verdeckt liegende Karte von einem mutigen Spieler aufgedeckt (g'lupft), deren Farbe zur Trumpffarbe wird. Der "Lupfer" eröffnet das Spiel. Jeder der mitgeht und mit seinen drei Karten keinen Stich macht, muß den gesamten auf dem Tisch liegenden Einsatz plus den normalen vereinbarten Spielereinsatz ins nächste Spiel einbringen. Gewinne werden nach Stichen gedrittelt, Stichregeln wie bei dem Spiel 66, wenn angegeben werden muß. Bei nicht eröffneten Spielen wird nachgesetzt. Alle Spieler müssen mitgehen, wenn jemand blind lupft, also ohne seine drei auf dem Tisch liegenden Karten gesehen zu haben. Gewinne und Verluste können so rasch mehrere hundert Euro betragen)

Lusche, Luscha Wertlose Spielkarte, auch wertlose männliche Person (Lusch)
(Dieser Ausdruck für Spielkarten, die ganz oder fast wertlos sind, wird oft auch als Schimpfwort für männliche Personen benutzt, welche "nichts zustande bringen" - also in manchen Dingen nicht sonderlich begabt sind. )


Peter Engelhardt