Ochsenhausen, wia's ischt ond war

Kleines Schwäbisches Wörterbuch: D
Schwäbisch von "daggla" bis "dussa"


D

daggla gehen
(von "Dackel", ein Tier das kleine Schritte macht; "Also be e etz omasuscht dona daggled?" ⇔ "Also ging ich jetzt umsonst dorthin/runter?" [je nach Betonung in "dona", dorthin (nasales kurzes a) oder runter (betontes langes a)])

Dappr Schritt

debra poltern, Krach machen
(steht auch für: "Vor Wut völlig aus den Häuschen sein": "Ijo, der hot debred!"⇔ "Boah, der war stocksauer!")

dedna dorthin

denna drinnen

Denna Tenne
(Redensart: "Denna, en dr Denna denna!" ⇔ "Drinnen, in der Tenne drin!")

denne diese

Debich Teppich
(Bis vor nicht allzu langer Zeit wurden allerdings auch Decken als "Debich" [Sing. + Pl.] bezeichnet.)

die dich
Die schwäbische Form von "die" ist "dia", oder, wenn explizit weiblich, auch "dui". Bsp: "Dui hot gsait..."" ⇔ "Die hat gesagt..." oder "Dia saed..."" ⇔ "Die sagen...".
"I holl die no ab." ⇔ "Ich hole dich dann ab."

dieba drüben

Dirgl Koseform für: junger Knabe (wird teils auch auf junge Tiere beiderlei Geschlechts angewandt)

Doopa Hände, Finger, Pfoten (Pl. und Sing.)
Das Wort wird bei Mensch und Tier auch für Abdrücke und Spuren derselben benutzt, etwa im Schnee oder auf Glas. Die Herkunft des Wortes stimmt wohl mit dem hochdeutschen "tappen" überein.
("Dr Boale hot dia Maus grad no mit dr Doopa vrlanget." ⇔ "Der Kater erreichte diese Maus gerade noch mit der Pfote.")
oder
("Bass auf, suscht glemmscht dr Doopa ei!" ⇔ "Pass auf, sonst klemmst du dir deine Finger ein!")

Doora (Sing. + Pl.) Dorn(en)

dollohrig taub
("Bisch du dollohrig?" ⇔ "Bist Du taub? [tollohrig]")

dra tragen
Unterschied: herunter, runter
("Soll e des etz nomol ra dra?" ⇔ "Soll ich das jetzt nochmal herunter tragen?")
("Soll e des etz nomol na dra?" ⇔ "Soll ich das jetzt nochmal runter tragen?")

dräza oder dräzga mutwillig jemanden ärgern, necken
("Dia hand me dräzga wella!" ⇔ "Die wollten mich ärgern!")

dräa drehen
  omdräa umdrehen
  omdrähd umgedreht

Dreibla Johannisbeeren

dreggla verunreinigen, Schmutz verursachen
("Wa dreggled en ihr do omanandr?" ⇔ "Weshalb verschmutzt ihr denn hier alles?")

Dregglacha (↵ Lacha) Pfütze
(Lacha [Plur. u. Sing.] bedeutet übersetzt nur Pfütze, d. h., das stehende Wasser kann auch klar sein. Eine Dregglacha hingegen ist eigentlich explizit eine Pfütze aus verschmutztem Wasser. Der Schwabe nimmt das aber nicht so genau, auch klares Wasser kann eine Dregglacha bilden. ↵ Lacha kann aber, je nach Zusammenhang, auch Jauche bedeuten.)

drella sabbern
("e" wird fast unhörbar gesprochen, eher "dr'lla")

Drellr Sabberlatz für Babys
("e" wird fast unhörbar gesprochen, eher "Dr'llr")

dremlig schwindelig
(von: träumlich)

dresga jammern, wimmern
("S Butzerle dresged!" ⇔ "Das Baby wimmert!" oder "Dresge do dana it domm ommand!" ⇔"Jammere hier nicht dumm herum!")

drwerd (der Mühe) wert
("Deschd doch gar it drwerd, dass i do drom d Schdiaga na lauf!" ⇔ "Das ist es doch gar nicht der Mühe wert, dass ich (darum) deshalb die Treppen hinunter gehe!")

Dschoale Ausdruck der Missachtung für männliche Person(en)

Duggent Blässhuhn
(Duckente)

Duranand Kaiserschmarren
(aber: "Wa isch des fiar a Duranand?" ⇔ "Was ist das für ein Durcheinander?")

Duranandr Durcheinander

dure durch
("Send dia Wieschd scho dure?" ⇔ "Sind die Würste schon durch?")

duregau, dureganged, duregand, dureganga durchgehen, durchgegangen
Beispiele: ("Dam isch s Weib dureganga." ⇔ "Dem ist das Weib durchgegangen.") ("Bass auf, dass dr Geil it duregand. [Bass auf, dass dr Geil it dureganged.]" ⇔ "Pass auf, dass dir die Pferde nicht durchgehen.")("Do hinda onder dam Boga kasch duregau." ⇔ "Dort hinten unter dem Bogen kannst du durchgehen.")

dussa draußen


Peter Engelhardt