Portal für Alteingesessene und Reingeschmeckte

Kleines Schwäbisches Wörterbuch: O-Z


Schwäbisches Wörterbuch: O

o'gfirmed ungestüm, übermütig
(von: ohne Firmung; Ofirm Unfug, Blödsinn)

Ohrafizeler Insekten der Gattung Ohrwürmer

oimeds irgendwo
(„Hosch du oimeds mei Brilla flagga seah?“ ⇔ „Hast du irgendwo meine Brille herumliegen sehen?“)

oinaweag trotzdem

Oisa Furunkel

oleidig quengelig

omanand herum

Schwäbisches Wörterbuch: P

päb knapp
(„Des war päb!“ ⇔ „Das war knapp!“)

Pfigott "Führe Dich Gott"
Abschiedsgruß

Schwäbisches Wörterbuch: R

ra herunter

Randich, Rota Riab Rote Beete, Rote Rübe

Ranka Kurve, Wegbiegung

Ranza Leibesrumpf, Torso

räs stark schmeckend, deftig
(Redensart: „Descht en zapfaräsr Käs!“ ⇔ „Das ist ein vollreifer [überreifer, stark schmeckender] Käse!“)

reat richtig, recht
(„Descht it reat!“ ⇔ „Das ist nicht richtig!“ aber auch: „Descht koin Reater!“ ⇔ „Das ist kein Richtiger!“ ⇔ Richtiger hat hier die Bedeutung von „In Ordnung sein“, eine zwielichtige Gestalt ist kein „Reater!“)

Rehleng Pfifferling(e)

Riabadibbl Schimpfwort
(Rübendippel, etwa: Rübenkopf, Rübengesicht)

Riebl oder Riabale Brotanschnitt
(wird manchmal auch bei Leberkäse verwendet)

Roi Rain, Halde, geneigte Hügelfläche, Abhang
(„Do vona reachds, no gohts da Roi na.“ ⇔ „Da vorne rechts, dann geht es den Hang hinunter.“)

Ruaf Rufe, Wundkruste, Wundschorf, verheilende Wunde

Schwäbisches Wörterbuch: S

sa sagen
(langes „a“: „Sa amol!“ ⇔ „Sag [ein-]mal!“)

Säaga Säge

Säeges Sense

sait sagt
(„Se hot g'sait...“ ⇔ „Sie hat gesagt...“)

salle diese
(sehr kurzes 'a'; „Salle do!“ ⇔ „Diese da!“)

saua rennen

schättra scheppern, klappern

schdriala sich herum treiben, umherstreichen
wird auf Kinder angewandt: “Wo send er heit (z) Mitta omanandr gschtiraled?.“ ⇔ „Wo habt ihr euch heute (Mittag) Nachmittag herum getrieben?“

Schdriedzr Koseform für: Knabe, Bube

Schättrgoiß vorlautes Mädchen, Klappergeiß
(wird ausschließlich als Kosewort verwendet)

schlotza schlecken, lutschen
(demzufolge ist ein „Schlotzer“ ein „Lutscher“ oder „Lolli“. Den Begriff „Viertelesschlotzer“ oder die Redensart „a Viertele schlotza“, die im Unterland verwendet werden, gab es zumindest früher im schwäbischen Oberland nicht.)

Schobba Schoppen
(Wird nicht nur in der gleichen Bedeutung wie im Deutschen benutzt, auch die Milchflaschen für Babies heißen so. „Omma Viere rom momma m Butzrle da nägschda Schobba gea.“- „Um Vier Uhr herum müssen wir dem Baby das nächste Fläschchen geben.“)

Schopf Schuppen, unbewohntes Nebengebäude
(Bsp. für eine ärgerliche Antwort: „Wo dr Beigl isch? No mach hald deine Glotzbebbl auf, der loined dett an dr Schopfdier!“ ⇔ „Wo das Beil ist? Dann mach halt deine Glotzkugeln [Augen] auf, das lehnt dort an der Schuppentüre!“)

schmecka schmecken, wird auch im Sinne von „riechen“ verwendet, im Schwäbischen gibt es kein anderes Wort für „Geruch“ oder „riechen“
(„Wia schmeckts n' do henna“- „Wie riecht es denn hier [drin]?“)

Schmotz (Gebrauchs-)Fett
(Bspw.: Wagenschmiere)

schmotzig fettig
(Bspw.: Schmotzigr Donschtig - man beschmierte früher am Fastnachts-Donnerstag andere Leute mit Wagenfett. Wird häufig falsch mit „schmutzig“ übersetzt. Im Schwäbischen ist „Dregg“ das Wort für „Schmutz“. Bsp.: „Des Lagr mosch amole wiedr schmotza!“ ⇔ „Dieses Lager musst du mal wieder schmieren/einfetten!“)

Schnudra eine Art Frühlingszwiebeln, Schluppen
(sehr wichtige Zutat der Füllung für Mauldäscha [Maultaschen]. Bei den Bäckern in Ochsenhausen gab es früher allerdings auch sehr leckere, mit Marmelade gefüllte Maultaschen.)

schtanda stehen
(„Schtanda bleiba!“ ⇔ „Stehen bleiben!“)

schtau stehen
(„Bleib schtau!“ ⇔ „Bleib stehen!“)

schtragga liegen
(„Do isch vorig g'schtragget!“ ⇔ [wörtlich] „Dort ist es vorher gelegen!“)

schträhla kämmen
(Strähl ⇔ Kamm; heute nur noch scherzhaft verwendet)

Schtiag Treppe
([Pl.: Schtiaga] „Geschts Obed be e no Schtiaga na gfloga.“ ⇔ „Gestern Abend fiel ich noch die Treppen runter.“)

Schtoig Steige, steile Straße an einem Hang oder Berg

Schupfnudla Oberschwäbische Schupfnudeln werden ohne Kartoffeln nur aus Mehlteig hergestellt. Sie werden traditionell mit „Boirisch Kraut“, also frisch gekochtem und mit genügend Kümmel gewürztem Weißkraut [ohne Speck] gemischt, sowie am Schluß mit reichlich geschmälzen Zwiebeln übergossen. Mancherorts, und in neuerer Zeit auch in Ochsenhausen, verwendet man auch Sauerkraut anstelle von Weißkraut, da dieses einfacher zu kochen ist.
(Oberschwäbische Schupfnudeln werden also anders hergestellt als die alemannisch-badische Variante, die aus Kartoffel-Mehl-Teig gerollt sind. Dieses Gericht war vor dem Weltkrieg nur in Südbaden und Oberschwaben bekannt.)

Seggl oder Seckl Je nach Variante derbes bis halbfreundliches Schimpfwort für eine männliche Person
(wörtlich: „Penis“); Varianten bspw.:
derb ⇔ Schofseggl [Schafspenis]
freundlich ⇔ Seggalesbeck (eigentl. Penisbäcker ⇔ Seelenbäcker, „Seele“ ist eine schmale und langgestreckte oberschwäbisch/allgäuerische Brotvariante)

Seiher Sieb
(„Nudla abseiha“)

Siach meist abwertend, für „hinterhältiger Kerl“, Lump
(Pl. Siacha; von: Siecher ⇔ Kranker, im Sinne von Abnormal; kann aber auch bewundernd gemeint sein.)

soicha pinkeln
(auch: „So en Soich!“ ⇔ „So eine Pisse!“)

sottigs, sottigr, sottige solches, solcher, solche

Schwäbisches Wörterbuch: U

uff auf

Schwäbisches Wörterbuch: V

vonna vorne
(ohne „r“; „Gang noch vonna!“ ⇔ „Geh nach vorne!“, aber mit „r“ ohne „n“ bspw: „Gang verre!“ ⇔ „Geh nach vorne!“; „Gang noch verre!“ ist aber falsch, verre auch in der Bedeutung von „hervor“: „Komm verre!“ ⇔ „Komm hervor!“)

v'rbodzga verbocken, vergeigen, falsch machen
(„Des hosch bes v'rbodzget, du Sempl!“ ⇔ „Das hast du böse vergeigt, du Simpel!“)

v'rbudza verputzen, nicht leiden, nicht ausstehen
(„Den Deppa ka e it v'rbudza!“ ⇔ „Diesen Deppen kann ich nicht ausstehen!“)

v'rdeffla verprüglen, verhauen
(„Dia ham me v'rdeffled!“ ⇔ „Die haben mich verhauen!“)

v'rgläbra verrühren, verquirlen
(„Oir v'rgläbra“ ⇔ „Eier verquirlen“)

v'rgradla vermögen [körperlich]
([von: gerade, aufrecht] „I haus da Buckl nauf fascht nemme v'rgradlet!“ ⇔ „Den Hang hinauf habe ich es fast nicht mehr vermochtl!“)

v'rglauba auslesen, sortieren
(meist bei etwas größeren Gegenständen; „Grombiera v'rglauba.“ ⇔ „Kartoffeln sortieren.“)

v'rleasa auslesen, sortieren
(meist bei kleineren Gegenständen; „Lensa v'rleasa.“ ⇔ „Linsen auslesen.“)

v'rlickra verschmecken, auf den Geschmack kommen
(oft auch allgemein: etwas herausfinden, auf den Dreh kommen)

v'rschlättra überschwappen, verschütten
(Warnung beim Tragen eines Wassereimers: „Obacht, s schlättred ibr!“ ⇔ „Achtung, es schwappt über!“)

v'rseggla beschimpfen, zusammenstauchen, zur Minna machen
(von Seggl ⇔ Seckel; „I lam me doch vo dem it v'rseggla!“ ⇔ „Ich lasse mich von dem doch nicht zur Minna machen!“)

Schwäbisches Wörterbuch: W

Waidag Halunke, gerissener Lump

wargala wälzen, rollen
(„Dia dädet sich jo uff em Boda wargala vor laudr Lacha!“ ⇔ „Die würden [täten] sich ja auf dem Boden wälzen vor lauter Lachen!“)

Wasa Grassode
Ausgestochenes Stück eines Rasens oder auch einer Wiese. Meistens wird das gemacht, um Vergrabenes oder Eingegrabenes (bsw. eine Leitung) innerhalb von kurzer Zeit wieder mit einer belastbaren Grasdecke zu versehen.

Wassrwegga Knauzen
(Wasserwecken, Knauzen ist eine regionale, etwas größere Brötchensorte aus Dinkelmehl)

wellaweag trotzdem

Wochadäg Wochentage
Meetig Montag
Aftrmeetig Dienstag
(nur noch selten benutzt, Bedeut.: Aftermontag - Tag nach Montag)
Zeistig Dienstag
(Bedeut.: Zius-Tag - [germ. Gottheit])
Miggda Mittwoch (Mittentag)
Donschtig oder Doschtig Donnerstag
Freitig Freitag
Samstig Samstag
Sonntig Sonntag

Wondrfitz Neugier
(„Bisch so wondrfitzig?“ ⇔ „Bist Du so neugierig?“)

Wondrwegges Wunder was
(Redensart: „I hau dengt, Wondrwegges wa do kommt...“ ⇔ „Ich dachte, Wunder was da kommt...“; seit den sechziger Jahren immer seltener zu hören)

wudescht würdest du
(„No wudescht v'rschossa!“ ⇔ wörtlich: „Dann würdest du erschossen!“)

Schwäbisches Wörterbuch: Z

Zahla Zahlen
A Gotzigs Ein Einziges
Ois Eins
Zwoi Zwei
Drui Drei
(Drui wird nur bei der Uhrzeit verwendet: „Viertl Drui znacht“ ⇔ „Viertel Drei nachts“, also 2:15 Uhr morgens)
Drei Drei
Feiv Fünf
Sex Sechs
Semna Sieben
Acht Acht
(aber: „S' isch Ächta“ „Es ist Acht Uhr“)
Nei Neun
Zea Zehn
Olf Elf

zerfla streiten
(wird meist nur spöttisch als Kommentar zu Streitereien um Nichtigkeiten verwendet. Bsp.: „Wa zerflascht etz do dana mit mir omanandr?“ ⇔ „Was [weshalb] streitest du jetzt hier mit mir herum?“)

Zickrla Bonbons (Sing.: Zickerle)


Peter Engelhardt