Ochsenhausen, wia's ischt ond war

Kleines Schwäbisches Wörterbuch: G
Schwäbisch von "Gähwend" bis "gwambed"


G

Gähwend Schneewehe, Schneewechte, Schneeverwehung

Gai Gau
(Gemeint ist hier allerdings meist Gau in Sinne von etwas weiterer Umgebung oder Region: "Em ganza Gai kennt ma da salla." ⇔ "In der ganzen Region kennt man den."; "Gai" wird aber auch beim alten Begriff "Gau" angewandt, bspw. "Allgai" ⇔ "Allgäu", während die in der Nazizeit erschaffenen Rückgriffe auf die alte Gebietsbezeichnung in der NSDAP-Struktur, bspw. die Bezeichnung "Gauleiter", nicht in den Dialekt einfloss, es gab also keinen "Gaileidr")

gang gehen
("I gang etz!" ⇔ "Ich gehe jetzt!"; "I be no ganga." ⇔ "Ich bin dann gegangen - Ich ging dann")

gatt gell
Eingesetzt als Frage- oder Bekräftigungswort, das "a" wird nur sehr kurz betont. ("Gatt, desch dr etz au wiedr it reacht?" ⇔ "Gell (Nicht wahr), das ist dir jetzt auch wieder nicht recht?"; "I saa drs gau, gatt!" ⇔ "Ich sags dir dann, mein Lieber!")

gau bald

gau gehen
("Etz momma ↵gau gau!" ⇔ "Wir müssen jetzt bald gehen!")

Gautsch Schauckel

gautscha schauckeln

Gaul Gaul
(Wird hier aufgeführt wegen des Plurals.) "Geil" Gäule, (ei wird gesprochen wie im hochdeutschen Wort "Weiß")

Gaus Gans
("Pl.: Gais)

geäba geben
Beispiele:
("I hau s her geä." ⇔ "Ich habe es her gegeben.")
("Gei s her." ⇔ "Gib es her.")
("Der geit s it her." ⇔ "Der gibt es nicht her.")
("Her geä!" ⇔ "Her geben!")
("Dia geäbed s it her!" ⇔ "Die geben es nicht her!")

geal gelb
("Du bisch jo ganz geal em G‘sicht!" ⇔ "Du bist ja ganz gelb im Gesicht!")

Geale Riaba Gelbe Rüben, Karotten, Möhren

geara gern

Gedde Taufpate (f. ↵ Godda)

Geggale gebratenes Hühnchen
(Pl.: Geggala)

gigampfa schauckeln

Gidzla, Gidzle (Pl., Sing.) Kitz
meist: Ziegenkitz (entsprechend: "Gidzlesbrota" ⇔ "Ziegenkitzbraten")

Glemmr (Pl. & Sing.) Waldameise(n) (Formica)
(entsprechend: "Glemmrhaufa")

glistig schleckig
(von Gelüste – gelüstig)

Glob ungehobelter Mensch, Stoffel

Glomp oder Klump Gelumpe, nichtsnutziges Zeug
(auch: Schlechte Qualität)

Glos, Glosa (Sing., Pl.)
(Mit Fellen verkleidete maskierte Jugendliche, welche traditionell am Nikolausabend ältere Kinder auf den Straßen jagen, um sie mit Ruten zu verprügeln. War früher für die Kinder das aufregendste Abenteuer des Jahres.)

Gloschda Glimmen, Glühen
("Luag na, do gloschdeds no!" ⇔ "Sieh hin, da glimmt es noch!")

Gluf Fibel, Sicherheitsnadel

Gluggr Glasklicker

Gnui Knie
(dementsprechend: "gnuila, nagnuila" ⇔ " knien, hinknien")

Godda Taufpatin (m. ↵ Gedde)

Goggl Hahn, Gockel

Gosch Maul
(Betonung kurzes "o": goscha ⇔ maulen, meckern;
Betonung langes "o": gosch ⇔ du gehst
"Etz hosch gnua gosched, etz gosch!" ⇔ "Jetzt hast du genug gemeckert, jetzt gehst du!")

Göppl oder Geppl Fahrzeug
(Verächtlich für PKW, Fahrrad o.ä.)

grätig mürrisch, schlecht gelaunt
("Hoi, bisch heit grätig?" ⇔ "Nanu, bist du heute schlecht gelaunt?")

Gradda Korb

Gradl Im Schritt (Körperteil)

Gramba
Genaue Bedeutung des Wortes unbekannt, Herkunft mhd. "Krampen". Wird in positiver oder negativer Bedeutung verwendet. Bspw. sagt man über einen Säugling: "Ijo, a so en siaßr Gramba!" oder aber Männer unterhalten sich über eine nicht so gut aussehende Frau: "Deschd en wiaschdr Gramba!"

grebsla kriechen aber auch klettern
([von: Krebs ⇔ krebseln, Benutzung von Händen und Füßen zur Fortbewegung] "Grebsle do nauf!" ⇔ "Klettere dort hinauf!" aber auch "Grebsle vere!" ⇔ "Krieche hervor!")

greisa kriechen
("Dr sall isch gescht z'Obed bsoffa uff em Boda hoim griesa!" ⇔ "Der ist gestern Abend besoffen auf dem Boden heim gekrochen!")

Grend auch Gren Kopf
(Bedeut.: Härter als "Meckl" "Die haue glei an Gren na!" ⇔ "Dich schlage ich gleich an den Kopf!")

Grombiera (Pl.) Kartoffeln
(Sing. Grombier)

Grott Kröte
([Pl. Grotta] wird auch als Kosewort, außschließlich für kleine Mädchen, verwendet: "So a siaßa Grott!")

Grottaschendr spöttisch: Stumpfes Messer
(Wörtlich: Krötenschinder, schinden in der Bedeutung von "die Haut abziehen/abschaben", das Messer ist also nur als Schabewerkzeug bei einem Krötenbalg brauchbar.)

grottaschleachd grottenschlecht
(Von "krötenschlecht", in angepasster Form im letzten Jahrzehnt des 20.Jhts. in die dt. Standardsprache übergegangen. Wer den Ursprung nicht kennt, interpretiert "Grotten" oft als Pl. von Grotte ⇔ kleine Höhle. Der schwäbische Ausdruck war dem Autor allerdings schon in den 60er Jahren geläufig, so, dass das hochdeutsche Wort definitiv schwäbischer Herkunft ist. Im schwäbischen Dialekt gibt es seit jeher weitere Komposita [Zusammensetzungen] von Adjektiven mit negativer Bedeutung durch "grotta", bspw. grottadomm grottendumm, grottafalsch grottenfalsch, grottabled grottenblöde, etc.)

Gruscht oder Kruscht unnützer Kram
("En ra Schachtl gruschtla" ⇔ "In einer Schachtel kramen "[wühlen])

Gsälz Marmelade
(von "gesalzenes". Wurde schon früh ganz allgemein im Sinn von "Lebensmittel haltbar machen" angewendet, hat sich nach Erfindung des bezahlbaren Rübenzuckers im Schwäbischen auf "mit Zucker haltbar machen" übertragen, während das verwandte "Gselchte" für gesalzenes (Rauch)-Fleisch nur noch in bajuwarischen Dialekten zu finden ist.)

gschterrig starr, steif, unbeweglich
Wird nur benutzt für Dinge, welche normalerweise leicht beweglich oder weich sind, etwa Gelenke ("I hau ganz gschterrige Glenk!" ⇔ "Ich habe ganz steife Gelenke! "), Leder oder auch steife Hemdkragen.

Guatsla Bonbons (Sing.: Guatsle, Guatsale)

Guddr Flasche
("Gei mr amol dia grea Guddr rom!" ⇔ "Gib mir mal diese grüne Flasche herüber!")

Guglfuhr schwer zu bewerkstelligende Sache
(von: Kugeln fahren/transportieren)

Gugga Tüte
Hat sich auch auf (Einkaufs-)Tragetaschen aller Art übertragen (Blaschtiggugga = Plastiktüte)

Guggamosr (Teich-)Frosch
(wird seit den 60er Jahren immer seltener verwendet. Von "gugga" für "schauen" und "Moos", etwa "Schaut aus dem Moos")

gwäa gewesen
(der Wechsel von "gwäa" nach "gsi", bzw. "gsei", "gsäa" ⇔ [schwäbisch für "gesehen"] usw., für "gewesen" markiert die Sprachgrenze zwischen Schwäbisch und Alemannisch)

gwalddädig gewalttätig
(hier aufgeführt, weil es neben der hochdeutschen Verwendung im Schwäbischen oft auch als Synonym für tätlichen Eigensinn verwendet wird. Beispiel: ein Disput unter Partnern über die bei feierlich gedecktem Tisch zu verwendende Salatschüssel. Dass einer der beiden kurzerhand seinen Favoriten ohne Einigung mit dem Salat befüllt, kommentiert der andere mit: "Ha du bischd a gwalddädigr Siach!")

gwambed beleibt, dick
(von: Wampe bei Mensch oder Tier)


Peter Engelhardt